Veranstaltungsreihe

Revue – zur kritischen Einführung. Auftaktveranstaltung mit Theater – Video – Reden – Performance und einem Chor.

Mo 16.10.17, 19:00 Uhr // UT Connewitz, Wolfgang-Heinze-Straße 12 a, 04277 Leipzig

Die Revue ist der Auftakt zur Veranstaltungsreihe anlässlich von hundert Jahren Oktoberrevolution. Die Revue ist der Versuch, vielfältigen Fragen und Schlaglichtern Raum zu geben und doch kein akademischer Vortrag zu sein. Sie ist der Versuch, dem Thema Oktoberrevolution nicht folkloristisch oder geschichtsvergessen, noch zynisch oder belanglos zu begegnen. Beteiligte des Abends: Kulturraum e.V.; Sassulitsch Gruppe; the future is unwritten und linXXnet e.V.

Mittagsmagazin – Einführung. Was geschah? // 16.10., 13:00 – 15:10 Uhr bei Radio Corax auf UKW 95.9

Christian Schmidt – »Revolution und Erlösung«. Zur Ideengeschichte des Kommunismus. Vortrag mit moderierter Diskussion.

Do 19.10.17, 19:00 Uhr // Institut für Zukunft, An den Tierkliniken 38-40, 04103 Leipzig

Dass die Theologie dem Historischen Materialismus auf zwar verborgene, aber doch entscheidende Weise zu Diensten sein soll, war nicht nur die leitende Idee von Benjamins Thesen über den Begriff der Geschichte. Der Verdacht, ein theologischer Rahmen präge die linken Revolutionsprojekte, wurde auch benutzt, um sie als krypto-religiöse Projekte mit Zielen, die nicht von dieser Welt sind, zu diffamieren. Und tatsächlich kennzeichnet die post-sowjetische Gefühlswelt, wie sich den von Swetlana Alexijewitsch aufgezeichneten Protokollen entnehmen lässt, die Erfahrung eines Verlusts höheren Ziels – von etwas, das größer ist als die sprichwörtlichen Bananen. Der Vortrag soll zeigen, wie zweifelsohne Hegels Geschichtsphilosophie theologische Konzepte an die Russische Revolution vererbt hat, die heute zu solchen Verlusterfahrungen führen. Aber entgegen einer verbreiteten Diagnose bezieht sich dieses Erbe auf das politische Wissen, das in der theologischen Tradition vorhanden ist, und nicht auf eine übersinnliche Kenntnis vom vorgezeichneten Lauf der Geschichte. Hegel und die Marxisten wussten ziemlich gut, dass ein historisches Projekt wie die Revolution ein Ziel voraussetzt, das in der gegenwärtigen Welt schon vorhanden ist, deren Wirklichkeit aber auf tiefgreifende Weise umgestalten soll. Ideen wie Freiheit und Gerechtigkeit beschwören das Bild einer anderen Welt herauf, die von Unterdrückung und Ausbeutung befreit ist. Wie die religiösen Bewegungen vor ihnen mussten daher auch die Revolutionärinnen und Revolutionäre eine Gemeinschaft begründen, die sich ganz ihrem historischen Ziel verschrieb, um die Vision der Erlösung von den ausgemachten Übeln zu erreichen. Die kommunistische Partei war der Versuch eine kämpfende Organisation zu schaffen, die einen solchen universalistischen Anspruch verwirklichen sollte. Sie krankte aber an all den Problemen – wie Dogmatismus und Fanatismus – die militanten religiösen Bewegungen bereits bekannt waren. Der Grundgedanke des Vortrags ist es daher, die Politische Theologie nicht als allzu leichtes Argument gegen die Idee des Kommunismus in Stellung zu bringen, sondern sie als reichhaltige Quelle einer komplexen Analyse der Probleme kommunistischer Politik und ihrer Organisationsformen zu verstehen.

Mittagsmagazin – Klassenkämpfe in der UdSSR // 23.10.17, 13:00 – 15:10 Uhr bei Radio Corax auf UKW 95.9

Marcel Bois – Zeitgenössische Rezeption und weltweite Auswirkung der Oktoberrevolution. Vortrag mit moderierter Diskussion.

Mi 25.10.17, 19:00 Uhr // Institut für Zukunft, An den Tierkliniken 38-40, 04103 Leipzig

Der Erste Weltkrieg war ein globaler Krieg – und auch die Revolte gegen ihn und seine Auswirkungen fanden im Weltmaßstab statt. In den Jahren 1917 bis 1921 gingen Millionen zwischen Moskau und Tokio, zwischen Barcelona und Buenos Aires auf die Straße, um ihrem Wunsch nach sozialer und politischer Veränderung Ausdruck zu verleihen. »Ganz Europa ist vom Geist der Revolution erfüllt«, notierte ein besorgter britischer Premierminister David Lloyd George im März 1919. „Die Arbeiter sind nicht nur von einem tiefen Gefühl der Unzufriedenheit ergriffen, sondern von Groll und Empörung. Die ganze bestehende soziale, politische und wirtschaftliche Ordnung wird von der Masse der Bevölkerung von einem Ende Europas zum anderen in Frage gestellt.“ Den Beginn dieses Prozesses hatte die Russische Revolution des Jahres 1917 markiert. Sie wurde zur Inspiration für Akteure der Arbeiterbewegung rund um den Globus – und nicht zuletzt auch in Deutschland. Dort sollte sich schließlich auch das Schicksal der jungen Sowjetrepublik entscheiden. In dem Vortrag sollen die Auswirkungen der Oktoberrevolution auf globaler Ebene umrissen werden. Welche Rolle spielte sie bei der Bildung von Arbeiterorganisationen? Inwiefern stellte die Oktoberrevolution und die Sowjetunion einen Bezugspunkt für die verschiedenen Arbeiterbewegungen in Deutschland und Südamerika, Afrika und den Nahen und Fernen Osten dar?

Mittagsmagazin – Gewalt und Universalismus // 30.10. 17, 13:00 – 15:10 Uhr bei Radio Corax auf UKW 95.9 

Felicita Reuschling – Kommunistka. Die Utopie der Revolution von Geschlechter-, Liebes- und Reproduktionsverhältnissen. Vortrag mit moderierter Diskussion.

Do 02.11.17, 19:00 Uhr // Institut für Zukunft, An den Tierkliniken 38-40, 04103 Leipzig

Mit der Oktoberrevolution gingen nicht nur manifeste politische und ökonomische Veränderungen einher. Auch die herrschenden Vorstellungen von Familie und Geschlechterverhältnis galt es umzuwälzen. Die Suche nach alternativen Formen des Zusammenlebens im Alltag und in der Liebe fernab feudaler oder bürgerlich-kapitalistischer Strukturen mündeten insbesondere in den frühen Jahren der Sowjetunion in eine Welle revolutionärer Umstrukturierungen. Eine der aktivsten und wohl bekanntesten Vordenkerinnen dieser Entwicklung war Alexandra Kollontai. Sie ist heute geradezu zum Symbol dieses Versuchs der gleichberechtigen Lebens- und Liebesform geworden. Die Euphorie der ersten Jahre jedoch stieß alsbald auf ihre Grenzen. Viele Fortschritte wurden zwischen dem Fortbestehen patriarchaler Strukturen und den Sachzwängen des nachrevolutionären  Staatssozialismus zerrieben, gerieten zu de jure Postulaten oder wurden gar ganz zurückgenommen.  Der Vortrag will diese Gemengelage insbesondere in der frühen postrevolutionären Phase differenzieren und mit dem Fokus auf das Geschlechterverhältnis einen Überblick über die unterschiedlichen Versuche eine kommunistische Gesellschaft zu verwirklichen liefern. Felicita Reuschling ist selbstständige Kunstpädagogin und Kuratorin und lebt in Berlin.

Gruppe Sassulitsch – Linke Kritik am Bolschewismus. Ganztägiger Lektürekurs.

Anmeldung unter: sassulitsch@gmx.de

Sa 04.11.17, 10:00 Uhr // translib. Communistisches Labor,  Goetzstraße 7, 04177 Leipzig

Die Bolschewisten gehörten in ihrer Anfangszeit zu einer der radikalsten Gruppierungen der internationalen kommunistischen Bewegung. Insbesondere ihre konsequente Haltung gegen den Ersten Weltkrieg und ihr revolutionärer Maximalismus beeindruckten auch die radikalen Teile der ArbeiterInnenbewegung im Westen. Wenige Jahre nach der Oktoberrevolution begannen jedoch linke und antiautoritäre KommunistInnen eine Kritik am Bolschewismus zu formulieren. Unter anderem Rosa Luxemburg und in ihrer Nachfolge die deutsch-holländischen RätekommunistInnen wollten diese Kritik selbst in einer marxistisch-materialistischen Theorie fundiert wissen. Die Unterdrückung der partei-internen Opposition, der rigide Zentralismus, die Aufgabe bzw. bloß instrumentelle Einsetzung des Räte-Gedankens, die Übertragung des russischen Modells auch auf die westlichen Arbeiterparteien innerhalb der KomIntern, letztlich der »staatskapitalistische« Charakter des Sowjet-Regimes … – das waren Kritikpunkte, die aus Reihen des linken Kommunismus angebracht wurden. Im Lektürekurs wollen wir uns näher mit einiger dieser Kritiken beschäftigen: Rosa Luxemburgs Text »Zur Russischen Revolution«, Hermann Gorters offener Brief an Lenin und die »Thesen über den Bolschewismus« der Gruppe Internationale Kommunisten / Holland stehen in der engeren Textauswahl.

► Lektüregrundlagen:

★ Rosa Luxemburg »Zur Russischen Revolution« (1918)

★ Lenin »Was tun?« (1902)/ »Der Linke Radikalismus als Kinderkrankheit des Kommunismus« (1920)

★ Hermann Gorter »Offener Brief an den Genossen Lenin« (1920)

★ Gruppe Internationale Kommunisten Hollands »Thesen über den Bolschewismus« (1934)

★ Hendrik Wallat »Staat oder Revolution« (2012)

Soliabend für die Oktoberrevolution. Trinken für den roten Herbst.

Sa 04.11.17, 20:00 Uhr // translib. Communistisches Labor,  Goetzstraße 7, 04177 Leipzig

Filmscreening mit Einführung und anschließendem Cocktailabend bei musikalischer Begleitung

Um 20:00 Uhr zeigen wir einen Spielfilm, der sich den Auseinandersetzungen zwischen der Roten Armee und den Weißgardisten im Russischen Bürgerkrieg 1918 widmet. Der filmische Fokus liegt auf einer kleinen Gruppe von internationalen Rotgardisten, die der Hinrichtung durch die zaristische Weiße Armee entfliehen und den Gegenangriff zu organisieren versuchen. Anstatt größere historische Prozesse nachzuerzählen, gelingt es dem Film durch räumliche und personelle Beschränkung ein Bild des Bürgerkrieges zu zeichnen, in welchem vor allem die Pervertierungen von Konzepten wie Ehre, Internationalität und Ethnie auf beiderlei Seiten vor Augen treten. Diese mit der bedingungslosen Parteinahme für den Kampf der Roten Armee brechende Auseinandersetzung mit dieser historischen Periode brachte dem Film ein Aufführungsverbot innerhalb der UdSSR ein. Der Film läuft im ungarisch-russischen Original mit englischen Untertiteln.
Nach dem Screening laden wir zu Sassulitsch-Cocktail, Pivo und Birkenwodka ein. Beschallung gibt es währenddessen von Kacktuss и товарищ, die diverse Obskuritäten aus ihrer Kassettensammlung aus dem russischen Magnetbanduntergrund spielen werden – und eventuell auch ein, zwei Leningrad Rock Classics.
★ Einritt gegen Spende. Der Soliabend kommt der Veranstaltungsreihe zugute.

 

Mittagsmagazin – Geschlechterverhältnis zur Oktoberrevolution // 06.11. 17, 13:00 – 15:10 Uhr bei Radio Corax auf UKW 95.9

 

Felix Klopotek – Mit Marx gegen Lenin: Das Verhältnis des Rätekommunismus zur Oktoberrevolution. Vortrag mit moderierter Diskussion.

Di 07.11.17, 19:00 Uhr // Institut für Zukunft, An den Tierkliniken 38-40, 04103 Leipzig

Die Rätekommunistinnen waren eine der wichtigsten frühen Kritikerinnen des Bolschewismus und der Oktoberrevolution. Mit ihrer Absage an den autoritären Führungsstil und der vermeintlichen Erkenntnis des „objektiven Interesses“ der Arbeiterklasse durch die »Avantgarde«, der bolschewistischen Partei zeichneten sie schon früh eine Kritik am Staatssozialismus vor, dessen Wahrheit sich mit der Entwicklung zum Stalinismus vollends beweisen würde. Ihre Betonung der Subjektivität der Arbeiterklasse, ihre nüchternen Ideen zur Rolle der Intellektuellen in der Revolution und ihre Konzepte zur revolutionären Umgestaltung der ökonomischen Struktur der Gesellschaft können getrost als das Ambitionierteste gelten, das die revolutionäre Arbeiterbewegung Anfang des 20 Jhd. zu bieten hatte. Was können wir heute noch von den Rätekommunistinnen lernen, was ist ihre Aktualität und – viel wichtiger noch – warum waren es nicht sie die zur dominanten Strömung der Arbeiterbewegung im frühen 20. Jhd. avancierten? Denn so weitsichtig und richtig ihre Kritiken und Ideen heute erscheinen, sind auch sie gescheitert, indem in Deutschland Reformismus und später Nationalsozialismus und in Russland der Staatssozialismus siegte. Diesen Fragen möchten wir in dem Vortrag nachgehen, zu dem wir Felix Klopotek einladen möchten.

Mittagsmagazin –  Ökonomie und Bauernfrage // 13.11. 17, 13:00 – 15:10 Uhr bei Radio Corax auf UKW 95.9

Olaf Kistenmacher – »Stille Pogrome«? Judenfeindschaft in Russland nach der Oktoberrevolution. Vortrag mit moderierter Diskussion.

Di 14.11.17, 19:00 Uhr // Institut für Zukunft, An den Tierkliniken 38-40, 04103 Leipzig

In der kommunistischen Gesellschaft sollte Judenfeindschaft verschwunden sein. Nach der Revolution 1917 stellte die Bolschewiki Antisemitismus unter Strafe. Trotzdem gab es aus den Reihen der Kommunistischen Partei Russlands judenfeindliche Äußerungen, wie z.B. die Anarchistin Emma Goldman berichtet, und nicht nur die Weißen Garden, sondern auch die Rote Armee verübte während des Bürgerkriegs Pogrome. An dieses Erbe konnte, schreibt Leo Trotzki 1937 in dem Text »Thermidor und Antisemitismus«, in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre Josef Stalin anknüpfen, um seine innerparteilichen Gegnerinnen und Gegner mit subtilen Andeutungen als »jüdisch« zu markieren. Trotzki war 1937 einer der ersten Marxisten, die versuchten, das Phänomen eines Antisemitismus der „neuen, der sowjetischen Spielart“ systematisch zu erklären.

Olaf Kistenmacher ist Historiker und Journalist. Veröffentlichungen zum Thema:

  • Kritik aus den eigenen Reihen. Alexandra und Franz Pfemfert, Alexander Berkman und Emma Goldman, Leo Trotzki, in: Hans-Joachim Hahn/Olaf Kistenmacher (Hg.): Beschreibungsversuche der Judenfeindschaft. Zur Geschichte der Antisemitismusforschung vor 1944, Berlin/München/Boston 2015, S. 360–384.
  • Zum Teufel mit Stalin. Antisemitismus in der Sowjetunion, in: Jungle World 22 (2014).

Philipp Eichhorn – »Wir haben einen Abgrund an Landesverrat im Lande.« Antikommunismus als Vergesellschaftung der BRD. Vortrag mit moderierter Diskussion.

Mi 15.11.17, 19:00 Uhr // Institut für Zukunft, An den Tierkliniken 38-40, 04103 Leipzig

Als Adenauer mit diesem Spruch die sogenannte Spiegel-Affäre – also die lapidare Recherche, dass die Bundeswehr bei weitem nicht so kampfkräftig war, wie Franz Josef Strauß und andere das gerne verkündeten – war das der Höhepunkt eines Politikstils, der jede Kritik an Regierung, Politik und Gesellschaft der BRD in antikommunistischer Manier bis hoch zum Landesverrat abstempelte; mit entsprechender Folge. Also zu einer Zeit, in der kommunistische Parteien in Frankreich und Italien etablierte Massenparteien waren und McCarthy fast schon seit 10 Jahren selbst RepublikanerInnen als tragische Witzfigur erschien. Der Antikommunismus war aber in dem Staat, der bereits sechs Jahre nach seiner Gründung das KPD-Verbot veranlasste, nicht einfach nur ein besonders extremer Fall in der Anwendung. Nicht nur, dass im Land der HenkerInnen das Andenken an die kommunistischen Opfer des NS und die Würdigung ihres Widerstandes nicht vorgesehen war: Das gesamte Fundament und die Ideologie der BRD kann ohne den Antikommunismus nicht gedacht werden, da es den zentralen Bestandteil ihrer Vergesellschaftung darstellt. Was das Verbot der direkten Demokratie, die Eigenheimförderung und Allensbach miteinander zu tun haben, wie erfolgreich oder eben auch nicht dieser Weg war und was das ganze nach dem Ende der DDR zu bedeuten hat, möchte dieser Vortrag aufzeigen.

Hannes Gießler Furlan – Von der Oktoberrevolution zum Stalinismus. Die ursprüngliche Akkumulation. Vortrag mit moderierter Diskussion.

Mo 20.11.17, 19:00 Uhr // Institut für Zukunft, An den Tierkliniken 38-40, 04103 Leipzig

Die sogenannte ursprüngliche kapitalistische Akkumulation bestand wesentlich darin, dass die Produktionsmittel der Gesellschaft auf Seiten der Kapitalisten akkumuliert und die Kleinproduzenten (mehrheitlich Bauern) enteignet und proletarisiert wurden. Der Sozialismus in der jungen Sowjetunion brauchte auch eine ursprüngliche Akkumulation. Denn Sozialismus setzt zweierlei voraus: Erstens, dass die Produktionsmittel nicht mehr in den Händen von Privatproduzenten sind, zweitens, dass die Produktionsmittel akkumulieren in dem Sinne, dass eine Industrie samt Landwirtschaftsindustrie heranwächst, mit der der Reichtum der Gesellschaft gemehrt werden kann. Die junge Sowjetunion aber war eine Agrargesellschaft, in welcher Abermillionen Bauern die Produktionsmittel besaßen. Sie mussten enteignet, die Landwirtschaft vergesellschaftet werden. Lenin stieß diese ursprüngliche Akkumulation des Sozialismus an, Stalin vollendete sie – zum Leidwesen von vielen Millionen Bauern. Zu den grauenhaftesten Mitteln dieser Reorganisation der Produktionsverhältnisse gehörten die Gulag-Lager. Hannes Gießler wird den Hergang der ursprünglichen Akkumulation in der Sowjetunion dargestellten und folgende Fragen erörtern: Was hatte die ursprüngliche Akkumulation des Sozialismus mit der des Kapitals gemein und was unterscheidet beide? Warum lief die ursprüngliche Akkumulation in der Sowjetunion auf Verstaatlichung der Produktionsmittel und nicht auf Vergesellschaftung hinaus? Inwieweit war diese ursprüngliche Akkumulation die Urszene des Realsozialismus? Wie haben sich Engels, Marx, Kautsky u. a. Vordenker des Kommunismus die Landwirtschaft bzw. die landwirtschaftlichen Maßnahmen nach der Revolution vorgestellt?

Mittagsmagazin – Kunst und Avantgarde // 20.11. 17, 13:00 – 15:10 Uhr bei Radio Corax auf UKW 95.9

Rote Couch – Was bleibt? Oktoberrevolution – Kritik – Politische Praxis? Podiumsdiskussion.

Do 23.11.17, 19:00 Uhr //  Institut für Zukunft, An den Tierkliniken 38-40, 04103 Leipzig

Zum Abschluss unserer Reihe zu 100 Jahren Russische Revolution möchten wir in einer Podiumsdiskussion fragen: Was ist ihre Aktualität, was bedeutet das fundamentale Scheitern einer emanzipatorischen Umwälzung der Produktionsverhältnisse für diejenigen politischen Bewegungen, die sich mit dem Elend der kapitalistischen Produktionsverhältnisse bis heute nicht abfinden wollen? Ist Revolution überhaupt noch ein anzustrebendes Ziel, wer soll die machen, und wo soll es dann überhaupt hingehen? Welche Lehren muss eine revolutionäre Bewegung unbedingt aus der Vergangenheit ziehen, damit eine Verkehrung und damit auch Diskreditierung ihrer Ideen, die eigentlich einmal auf die Befreiung der Menschen von den Zwängen des Kapitals und der demokratischen Verfügung über das von ihm hervorgebrachte Potential zielten, nie wieder geschieht? Dafür möchten wir Leipziger und andere Gruppen einladen die sich mit diesen Fragen heute beschäftigen und mit ihnen diskutieren.

Oktober6

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